25.06.2019

Frankfurter Allgemeine Zeitung mit Alfred Platow und ÖKOWORLD: Wo würde Greta investieren?

Sorgen Greta Thunberg und der Youtuber Rezo nicht nur für ein politisches Beben, sondern auch für ein Beben an den Finanzmärkten? Aufgeschreckte Politiker, die um ihre Ämter und Mandate fürchten, geben sich seit der Europawahl plötzlich grün und klimafreundlich. Bei den Banken und Versicherern ist das kaum anders. Die Taktung, mit der neue Mails eingehen, die angeblich besonders klimafreundliche Finanzprodukte anpreisen, hat sich merklich erhöht.

Bitte lesen Sie hier den vollständigen Artikel aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von Samstag, dem 8. Juni 2019.

Einen klaren Startvorteil in diese neue Welt hat die Fondsgesellschaft Ökoworld. Mit ihr könnte sich wahrscheinlich auch Greta Thunberg anfreunden. Gründer Alfred Platow demonstrierte in den 1980er Jahren gegen die Atomkraft und marschiert dieser Tage mit dem Schild „Parents for Future“ auf den Freitagsdemonstrationen. Die Verbindung von Ökologie und Ökonomie hat er zu seinem Lebensthema gemacht: „Ökologie muss auch ökonomisch sein. Sonst macht es keinen Sinn“, sagt Platow, der sich seit Jahren für eine Verbreitung von Aktien in der Bevölkerung und die Etablierung eines Schulfaches Wirtschaft einsetzt.

1975 hat er sich in der Finanzbranche selbständig gemacht. Seit 1996 vertreibt er den Fonds Ökovision. „Die Zulassung hat Jahre gedauert. Seit 1990 haben wir alles nur theoretisch gemacht“, sagt Platow. Da gab es schon einen Anlageausschuss aus umweltbewegten Wissenschaftlern und Fachleuten. Gestartet als „Freundeskreis ökologisches Investment e.V.“, gewann die Projektumsetzung Konturen. Der Freundeskreis untersuchte europaweit Finanzprodukte und warb für die Idee eines glaubwürdigen Ökofonds. „Aus Enthusiasmus und politischer Überzeugung haben die auf eigene Kosten nach Unternehmen gesucht unter dem Leitprinzip Humanismus und Ethik“, sagt Platow.

Ein wirkungsvoller Nachhaltigkeitsfilter für Unternehmen

Das Prinzip ist bis heute das Gleiche. Sieben Fachleute in der Sustainability-Research-Abteilung machen nichts anderes, als Unternehmen zu prüfen, die die Welt besser machen könnten. Als „Trendscouts“ und „Perlentaucher“ bezeichnet Platow sein Team. Auf der Suche nach solchen Unternehmen arbeitet Ökoworld eng mit zahlreichen Nichtregierungsorganisationen zusammen. „Manchmal nehmen wir uns drei Jahre, um ein Unternehmen genau unter die Lupe zu nehmen und uns von ihm zu überzeugen“, sagt Platow.

Danach prüft und entscheidet der aus zwölf Personen bestehende Ökovision-Anlageausschuss, ob die gefundenen Unternehmen mit den ethisch-ökologisch-sozialen Ansprüchen vereinbar sind. Und erst danach kann das Fondsmanagement aus ökonomischer Sicht entscheiden, ob die Aktien dieser Unternehmen als lukrative Geldanlage erscheinen. Ein langwieriger Prozess, aber ein wirkungsvoller Nachhaltigkeitsfilter, wie Platow meint.

Der Unternehmensgründer bezeichnet seine Gesellschaft daher auch mit etwas Stolz als die teuerste Fondsgesellschaft der Welt. 5 Prozent Ausgabeaufschlag beim Kauf, dazu 1,76 Prozent jährliche Gebühr und dazu noch eine Erfolgsgebühr machen den Ökovision-Fonds zu einem teuren Unterfangen. Doch Platow legt Wert auf die Feststellung, dass keinerlei Research eingekauft wird. „Wir machen alles selbst, und wir sind vollkommen unabhängig von Banken oder Versicherungen.“

Nachhaltige Geldanlage heißt nicht niedrige Rendite

In 264 Unternehmen sind seine Fonds investiert. Viele der Unternehmen sind völlig unbekannt. „Die finden Sie in keiner Zeitung“, sagt Platow. Sich bloß an irgendwelchen Indizes zu orientieren findet er langweilig. Er will mit seinen Investments etwas bewegen. „1997 haben wir in Tomra beim Börsengang in Oslo investiert“, sagt Platow. „Mit dem Geld ist das Unternehmen zu einem der größten Flaschenrücknahmeautomatenhersteller der Welt geworden.“ Und der Aktienkurs hat sich vervielfacht. „Ich war auch beim Börsengang von L’Occitane in Hongkong, da kannte die hier noch kaum einer“, sagt Platow.

Seither ist das Unternehmen aus der Provence rasant gewachsen und gilt als führend in der traditionellen, ökologischen Herstellung von Kosmetika. „Natura Cosmeticos haben wir in Brasilien entdeckt, weil wir Portugiesisch sprechende Fachleute haben, die Pfadfinderarbeit vor Ort machen“, sagt Platow. Mittlerweile expandiert das Unternehmen in die ganze Welt. Der 72 Jahre alte Platow könnte zu jedem seiner Unternehmen eine solche Geschichte erzählen. Von indischen Kindergartenanbietern, Sanitäranlagen- oder Wasserherstellern.

Nachhaltige Geldanlage heißt dabei nicht, eine niedrigere Rendite in Kauf zu nehmen. Die Wertentwicklung des Flaggschiffs Ökovision oder des Ökoworld Klima oder des Ökoworld Water for Life sprechen für sich. Heute verwalten seine Fonds rund 1,3 Milliarden Euro. Der hauseigene Hildener Privatkundenvertrieb hat 55.000 Kunden, die ihre Altersvorsorge bei Ökoworld machen. Viele Kunden kaufen Ökoworld-Fonds aber mittlerweile auch bei ihrer Sparkasse oder Volksbank. Dominierende Großanleger sind nicht in den Fonds.

Nachhaltigkeit rockt – auch bei älteren Generationen

Dem vierfachen Vater ist es ein Herzensanliegen, seinen Kindern und Enkeln eine lebenswerte Welt zu hinterlassen. Mit dem Fonds Ökoworld Rock ’n’ Roll richtet er sich ausdrücklich an die Generation 50 plus und 70 plus, also die Eltern und Großeltern, die ihr privates Kapital langfristig für ein lebenswertes, erfolgreiches Leben ihrer Kinder, Enkelkinder oder Nichten und Neffen arbeiten lassen wollen. Auch dieses Produkt trifft den Nerv vieler Kunden.

Eine solche Erfahrung, einen solchen Enthusiasmus und ein solches Gespür für das Thema grüne Geldanlage gibt es in der Kombination bei anderen Fondsgesellschaften, Banken oder Versicherern nicht. Auch nicht eine solche Konsequenz, das gesamte Unternehmen auf dieses Thema auszurichten und Nachhaltigkeit nicht nur als ein Nebenprodukt des Kerngeschäfts zu betrachten.